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Stammbaum der Firmeninhaber
1. Generation
Christoph Friedrich Lahusen (1781-1866)
Adelheid Ordemann (1790 - 1869)
2. Generation
als 4. von 9 Kindern:
Martin Christian Leberecht Fürchtegott Lahusen (1820 - 1898)
Anna Gebecka Meier (1824 - 1893)
3. Generation
als 8. von 9 Kindern:
Johann Carl Lahusen
(1858 - 1921)
Armine Mathias (1867 - 1919)
4. Generation
als 1., 5. u. 8. von 9 Kindern
Georg Carl, Heinz und Friedel
Lahusen
1888 - 1973, 1894 - 1943, 1900 - 1961
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Martin Christian Leberecht Lahusen (1820-1898)
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Eine Bremer Kaufmannsfamilie
Christoph Friedrich Lahusen aus Berne ließ sich nach einer Lehre und Auslandsaufenthalten als
Unternehmer in Bremen nieder. Er gründete die Firma C. F. Lahusen, seinen Wohn- und
Geschäftssitz hatte er in der "Aschenburg" an der Schlachte.
Die Kinder der Familie Lahusen wurden streng und im christlichen Sinne erzogen.
Viele Söhne erhielten ihre berufliche Ausbildung innerhalb der Firma, zahlreiche Familienfeste
dienten dem Zusammenhalt der weitverzweigten Verwandtschaft. Durch Heirat und Freundschaft
bestanden viele wirtschaftliche und gesellschaftliche Verflechtungen mit angesehenen
Bremer Kaufmannsfamilien.
Sein Sohn Christian erhielt eine kaufmännische Ausbildung in Bremen und Braunschweig.
Es folgte ein längerer Aufenthalt in England. 1846 heiratete er Anna Gebecka Meier aus einer
angesehenen Bremer Familie und trat als Teilhaber in die väterliche Firma ein. Nachdem sich der
Vater 1854 zur Ruhe gesetzt hatte, war Christian Lahusen Alleininhaber und expandierte umsichtig.
Durch verwandtschaftliche Beziehungen angeregt, baute er das Südamerikageschäft aus und kaufte
in Argentinien und Uruguay Ländereien für die Schafzucht.
Seine Firma engagierte sich immer mehr im Überseehandel mit Wolle. Er besaß eigene Schiffe und
Lagerschuppen in Bremen.
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Fabrik in Neudeck
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Vom Handel zur Industrie
Von besonderer Bedeutung war der Kauf einer in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Wollkämmerei
in Neudek in Böhmen. Hier begann die Erweiterung zur Industrie, kein leichter Anfang, denn
die Anlagen in Neudek mussten modernisiert werden und es fehlte die Erfahrung auf diesem Gebiet.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten entwickelte sich die Fabrik in Neudek erfolgreich.
Dies bewog Christian Lahusen, in Delmenhorst eine weitere Produktionsstätte zu errichten,
in günstiger Lage an der Bahnlinie Bremen-Oldenburg und an der Delme.
1884 wurde die "Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei" gegründet,
für die heutige Delmestadt noch immer ein entscheidender Schritt für die Wandlung vom
Ackerbürgerstädtchen zur Industriestadt.
Schon bald fanden hier Tausende aus den östlichen Teilen des Reichs und den angrenzenden
Gebieten Arbeit und eine neue Heimat.
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Carl Lahusen (1858-1921)
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Fabrikherrschaft
Christians Söhne Gustav und Carl wurden Vorstandsmitglieder, Carl bezog die Villa auf dem
Delmenhorster Fabrikgelände und prägte nach dem Ausscheiden seines Bruders Gustav das Bild der
Firma bis zu seinem Tode 1921.
Er baute die Firma zum Konzern aus, 1913 waren 10 000 Mitarbeiter beschäftigt, davon im
Werk Delmenhorst ca. 3000. Wenn auch zunehmend fremdes Aktienkapital eine Rolle spielte, so
bestimmte doch die Familie Lahusen die Geschicke der NW&K.
Der 1. Weltkrieg unterbrach die Entwicklung, doch nach den Schwierigkeiten der ersten
Nachkriegsjahre wurde die erfolgreiche Erweiterungspolitik fortgesetzt.
Viele Angestellte und Arbeiter wohnten in unmittelbarer Nähe der Produktionsstätten,
doch gab es eine hierarchische Trennung. Der riesige Park an der Fabrikantenvilla war nur
der Familie des Firmeninhabers zugänglich. Carl Lahusen führte im Betrieb und in der
Familie ein patriarchalisches Regiment.
Er sah sich in der Firma nicht als Direktor einer Aktiengesellschaft, sondern als Fabrikherr,
der sich für das sittliche und materielle Wohl seiner Untergebenen verantwortlich fühlte.
Die Lahusens waren traditionsgemäß religiös und kirchlich eingestellt. Dies verdeutlicht
noch heute der Psalm über der Tür der Fabrikantenvilla:
Wo der Herr nicht das Haus bauet,
so arbeiten umsonst, die daran bauen.
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Delmenhorster Werk um 1912
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Eine Stadt in der Stadt
Das Fabrikgelände, ein geschlossenes Areal mit fast allen wirtschaftlichen und sozialen
Einrichtungen, war eine "Stadt in der Stadt" Die vielfältigen Sozialeinrichtungen wurden in der
damaligen Zeit lobend erwähnt, später jedoch auch als Mittel zur Fesselung der Arbeiter an den
Betrieb kritisiert. Bereits beim Bau der Anlagen in Delmenhorst wurden Wohnheime und
Werkswohnungen errichtet, es gab einen eigenen Geistlichen, ein Erholungsheim, Krankenhaus und
eine Badeanstalt.
Viele gemeinnützige Einrichtungen gehen auf den Einfluss von Carl Lahusens Ehefrau Armine zurück.
Sie entstammte einer englischen Pastorenfamilie und kannte aus ihrer Heimat bereits das soziale
Elend der Industriearbeiter, das es trotz zahlreicher Missstände bei den Beschäftigten der
NW&K in dieser krassen Form nicht gegeben hat.
Armine Lahusen führte das Hockeyspiel in Delmenhorst ein, auch das Mädchenwohnheim und die
Häuser in der Heimstraße erinnern mit ihren englischen Stilelementen heute noch an
ihre englische Herkunft.
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rechts: Georg Carl Lahusen
(1888-1973)
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Glanz und Niedergang
1920 trat mit Georg Carl Lahusen die nächste Generation in die Geschäftsleitung ein.
Das Unternehmen expandierte von 12000 auf 28000 Mitarbeiter, gleichzeitig wurden die
einzelnen Betriebe rationalisiert und zentralisiert. Die Konzernverwaltung, das heutige
Finanzamt (Haus des Reichs) in Bremen, wurde gebaut, und in Hohehorst bei Bremen entstand
der Wohnsitz des Firmenchefs. Der schlossartige Bau mit 107 Zimmern verfügte über eine
kostbare Innenausstattung und moderne Technik. Der Park wurde ständig von 80 Arbeitern gepflegt.
Lahusen war noch im Januar 1931 Präses der Handelskammer Bremen geworden, er saß in den
Aufsichtsräten wichtiger Unternehmen (Danatbank, Norddeutscher Lloyd) und wirkte in vielen Gremien.
Über Jahre hatte der Konzern finanzielle Verluste eingefahren, der Wollpreis verfiel
und die Lagerbestände mehrten sich. Als Gewinne ausgewiesene Verluste täuschten die
Öffentlichkeit, aber ein halbes Jahr später, am 21. Juli 1931 kam es zum Zusammenbruch
des Nordwolle Konzerns. Der Konkurs des bedeutenden Unternehmens mit seinen weltweit
gestreuten Beteiligungen erregte großes Aufsehen. Georg Carl Lahusen und seine Brüder
Heinz und Friedel wurden verhaftet.
Der Prozess fand unter großer Anteilnahme 1933 in Bremen statt. Georg Carl Lahusen wurde
wegen Bilanzverschleierung und Untreue zusammen mit seinem Bruder Heinz zu
Gefängnis- und Geldstrafe verurteilt.
Damit war der Einfluss der Familie Lahusen auf die Geschicke der späteren Nordwolle beendet.
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Argentinien
Christian Lahusen, der spätere Gründer der Nordwolle, war im Jahre 1853 nach Argentinien gereist
und hatte damit bereits den Grundstein für eine Verbindung der Familie Lahusen zu diesem Land gelegt.
Er erwarb Ländereien, beschäftigte sich mit der Schafzucht und begründete die Firma
Lahusen y Cia Ltda, die sich zum größten Wollexporthaus dort entwickelte.
Mehrere Familienmitglieder hielten sich in Argentinien auf, erwähnt werden soll hier
noch Johannes Christian Lahusen,1892 als 4. Sohn Carl Lahusens geboren. Nachdem auch er in
der NW&K gearbeitet hatte, ging er 1919 nach Südamerika und trat dort in die Firma
Lahusen Cia ein, 1939 übernahm er nach dem Tod seines Vetters die Firmenleitung.
Er war Vorsitzender der La-Plata-Synode und begründete die Deutsche Handelskammer in Buenos Aires.
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