Mädchenwohnheim und Arbeitersiedlung Heimstraße
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Wohneinrichtungen
Mit dem Aufbau der Fabrik ging auch gleich der Bau von Wohnungen einher.
1884/85 entstanden Arbeiterhäuser an der heutigen Nordwollestraße,
1885 entstanden "Beamtenhäuser" für leitende Angestellte am Fabrikhof,
ab 1900 wurden 60 Häuser mit 140 Wohnungen in der Heimstraße,
Pappelstraße, Birkenstraße und Eichenstraße gebaut.
Das 1884/85 errichtete Mädchenlogierhaus wurde 1898 durch ein
Mädchenheim (heute Seniorenheim) ersetzt, das Männerlogierhaus durch ein
Jünglingsheim an der ehemaligen Birkenstraße und ein Junggesellenheim für
jüngere ledige Beamte (Angestellte) an der Hasbergerstraße..
Der Wohnungsbau war eine zwingende betriebliche Notwendigkeit, ohne den die
Anwerbung von geeigneten Arbeitskräften unmöglich gewesen wäre.
Bei vielen größeren Betrieben finden wir noch heute Arbeitersiedlungen,
die bei der Industrialisierung entstanden sind.
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Ein Zimmer im Wolle-Krankenhaus
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Gesundheitswesen
Eine Betriebskrankenkasse gab es seit der Betriebsgründung. Obgleich
gesetzlich vorgeschrieben, wurde sie doch von der Firma zu den Wohlfahrtseinrichtungen
gezählt. Die Leistungen dieser Kasse gingen über die gesetzlich
vorgeschriebenen Mindestforderungen hinaus.
Lange bevor es ein öffentliches Bad in Delmenhorst gab, wurde 1886 eine
Badeanstalt auf dem Fabrikgelände eingerichtet.
Seit 1888 betreute ein Werksarzt die Betriebsangehörigen, eine Krankenstation
war mit der Dienstwohnung des Arztes verbunden. 1890 wurde ein Werkskrankenhaus
an der Stedinger Straße eingerichtet. Es folgte ein Wöchnerinnenheim
und ein Kurhaus in Elmeloh.
Ebenso wie im Ruhrgebiet brachte auch in Delmenhorst die schnelle Industrialisierung
eine Reihe von Missständen mit sich. So belastete z.B. die Arbeit in einer
Textilfabrik in hohem Maße die Atmungsorgane. Die Firmenleitung versuchte
durch die Fürsorgemaßnahmen auszugleichen. Im Vordergrund stand jedoch
das Interesse an der Erhaltung der Arbeitskraft.
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Kinderbetreuung im Säuglingsheim
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Kinderbetreuung
Schon seit 1886 gab es verschiedene Einrichtungen zur Kinderbetreuung, wie
Säuglingsheim, Kinderspielschule und Kinderhort.
In der Textilfabrikation waren überwiegend Frauen beschäftigt, die auch
als Mütter auf die Einkünfte aus der Fabrikarbeit angewiesen waren.
Die Unterbringung der Kinder in Pflegefamilien führte oft zu
Vernachlässigungen und die Säuglingssterblichkeit in Delmenhorst war sehr
hoch.
Durch die betrieblichen Einrichtungen versuchte man, diese "Zustände" zu
verbessern. Es soll hier nicht verschwiegen werden, dass die
außergewöhnlich hohe Säuglings- und Kindersterblichkeit, verursacht
durch unhygienische Wohnverhältnisse, durch die gemeinsamen Anstrengungen
der Stadt und der Fabrik nicht gemindert werden konnte.
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Konsum der "Wolle" im
Privatweg (um 1905)
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Sonstige Sozialeinrichtungen
Seit 1889 bestand eine Rentenversicherung, und neben der gesetzlich
vorgeschriebenen Unfallversicherung unterhielt das Werk noch eine Alters- und
Invaliditätsversorgung und zahlte ein Sterbegeld. Es gab einen
Arbeiterunterstützungsfond und einen Fond zum Besten der Arbeiter und Beamten
(1900/1905). Aus diesen Fonds wurden zum Teil Wohlfahrtseinrichtungen finanziert.
Später gingen sie in anderen Einrichtungen auf, wie in der 1906
gegründeten Pensionskasse für Fabrikbeamte und Angestellte.
Nach dem Konkurs 1931 wurde in der NS-Zeit ein Arbeiter- und
Angestelltenunterstützungsfond eingerichtet, 1942 wurde die
NW&K-Gefolgschaftshilfe gegründet.
Der 1893 gegründete Konsumverein der NW&K ermöglichte preiswertes Einkaufen.
Der Rabatt betrug meistens 10 bis 12 Prozent. 1900 kam noch eine Bäckerei hinzu.
1905 wurde die Speiseanstalt
eröffnet, in der ursprünglich nur die Angestellten eine warme Mahlzeit
einnehmen konnten, die Arbeiter jedoch zu verbilligten Preisen während der
Pausen Brötchen und Getränke erwerben konnten.
1926 war das Gründungsjahr des Sportvereins "Nordwolle e.V."
Der 1884 von Wilhelm Benque für die Familie Lahusen angelegte Wollepark
war erst zur NS-Zeit der Öffentlichkeit zugänglich.
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Pastor Grell mit jungen Arbeiterinnen
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Religiöse Fürsorge
Eine Sonderstellung nimmt die religiöse Fürsorge durch die Fabrikherrschaft
ein, für die es im Gebiet des damaligen Deutschen Reichs keine Vorbilder gab.
1897 wurde ein evangelischer Werkspastor für die Betreuung der Delmenhorster
Fabrik eingestellt. Carl Lahusen, der Fabrikherr, betrieb die Schaffung einer
unabhängigen Werksgemeinde durch Einrichtung einer Kapelle im Mädchenwohnheim
und den Bau eines Pastorenhauses auf dem Werksgelände. Dem Geistlichen oblag
auch die Entwicklung eines christlichen Vereinswesens.
Wenn auch der Fabrikgeistliche bei der Anwerbung ausländischer
Arbeitskräfte half, so haben doch wohl nicht nur wirtschaftliche Überlegungen,
sondern auch das christlich protestantische Selbstverständnis der Familie Lahusen
den Ausschlag für diese Einrichtung gegeben. Erwähnt sei noch, dass
von der Firmenleitung kein Druck auf Andersgläubige ausgeübt wurde.
Pünktlichkeit und Gehorsam gegenüber kirchlicher und weltlicher Obrigkeit,
Anstand und Fleiß waren die Leitgedanken dieser sittlichen Erziehungsziele.
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